Mehrsprachigkeit
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Mehrsprachigkeit ist ein Thema, dass mittlerweile viele Eltern beschäftigt. Sei es, weil der Partner aus einem anderen Kulturkreis kommt oder weil man ins Ausland gezogen ist und das Kind dort mit einer fremden Sprache konfrontiert wird.

Viele Kinder wachsen dabei zwei- oder sogar dreisprachig auf, da die Eltern als größten gemeinsamen Nenner englisch sprechen, obwohl beide eigentlich ihre eigene Muttersprache haben. Doch wie soll man in dem ganzen Durcheinander mit den Kindern sprechen? Viele Eltern denken, dass Kinder überfordert sind, wenn sie mehrere Sprachen gleichzeitig lernen müssen. Viele Untersuchungen jedoch haben gezeigt, dass das nicht der Fall ist. Kinder können verschiedene Sprachen gleichzeitig erlernen und haben dabei viel weniger Probleme als Jugendliche oder Erwachsene. Zudem lernen sie die Sprachen viel schneller und im jugendlichen Alter ist es für sie ganz normal zwischen den einzelnen Sprachen zu switchen, je nachdem in welcher Sprache sie sich unterhalten möchten. Die Angst vieler Eltern vor einer Überforderung des Kindes ist also unbegründet.

Für eine optimale Spracherziehung brauchen zweisprachige Kinder jedoch feste Regeln. Sprache ist ein Code, der uns hilft, Dinge eindeutig zu benennen.

Verschiedene Methoden der Spracherziehung

Es gibt zahlreiche Methoden, um eine mehrsprachige Erziehung zu unterstützen. Eine Studienarbeit von Clara Fenocchio mit dem Titel “Zweisprachigkeit: Sprachförderung in der Erziehungspraxis“ fasste dabei die wichtigsten Methoden zusammen und gibt unterschiedliche Tipps und Regeln für die Spracherziehung. Diese und andere erfolgreiche Methoden werden im Folgenden näher erläutert:

  • EPES Methode: Eine Person – eine Sprache
  • Familiensprache und Umgebungssprache
  • Gemischter Sprachgebrauch
  • Situationsbedingter oder ortsgebundener Sprachgebrauch
  • Eine Sprache nach der anderen
  • Künstliche Zweisprachigkeit

EPS Methode: Eine Person – eine Sprache

Die EPES Methode ist wahrscheinlich die bekannteste Methode der Zweisprachigkeitserziehung und bedeutet, dass jeder Elternteil stets in der Muttersprache mit dem Nachwuchs spricht. Hier ist die Sprache an eine bestimmte Person gebunden und das Kind kann dadurch die Sprachen besser auseinander halten. Laut der Sprachforscherin Elke Montanari funktioniert diese Methode unter bestimmten Bedingungen sehr gut. Eine gute Voraussetzung ist es, wenn beide Elternteile die andere Sprache zumindest verstehen. Ist dies nicht der Fall, kann es leicht zu Reibungen und Spannungen kommen, da sich der Elternteil, der die Sprache nicht versteht, oft ausgeschlossen fühlt. Außerdem sollte das Kind zu beiden Elternteilen regelmäßig Kontakt haben. Ist z. B. der Vater oft beruflich unterwegs, dann hat das Kind keinen ausreichenden Möglichkeiten die Vatersprache zu hören und zu sprechen.

Familiensprache und Umgebungssprache

Eine weitere häufig angewandte Methode ist die „Familiensprache und Umgebungssprache“ hier spricht das Kind mit seinen Eltern eine andere Sprache als außerhalb der eigenen vier Wände. Bei dieser Methode ist es sehr wichtig, dass die Eltern die Sprachen nicht mischen und sich immer in der gleichen Sprache an das Kind wenden.

Gemischter Sprachgebrauch

Die Methode des gemischten Sprachgebrauches ist die umstrittenste Methode unter den Sprachwissenschaftlern, denn hier werden beide Sprachen von den Elternteilen ohne erkennbaren Zusammenhang gemischt. Laut Sprachforschern wird es dadurch schwierig für das Kind die Sprachen auseinander zu halten und oft wird keine der Sprachen richtig erlernt.

Situationsbedingter oder ortsgebundener Sprachgebrauch

Die Methode des ortsgebundenen oder situationsbedingten Sprachgebrauchs, wo eine Sprache mit einem Ort oder einer Situation verbunden wird, ist eine selten angewandte Methode, welche jedoch in unserer Familie sehr gut funktioniert hat. Ich habe mit meinem Sohn immer Deutsch gesprochen, sobald jedoch sein Papa im Haus war, habe wir uns alle auf Englisch unterhalten.

Eine Sprache nach der anderen

Die “eine Sprache nach der anderen“ Methode, bei der zuerst die eine, und dann die andere Sprache erlernt wird, wird oft von Eltern angewendet die Angst haben ihr Kind mit dem gleichzeitigen Erlernen von 2 Sprachen zu überfordern oder wenn ein Kind durch den Umzug in ein anderes Land gezwungen wird, eine andere Sprache zu erlernen.

Künstliche Zweisprachigkeit

Bei der künstlichen Zweisprachigkeitserziehung sprechen Eltern, mit ihren Kindern in einer Fremdsprache, die sie sehr gut beherrschen, welche jedoch nicht ihre Muttersprache ist. Diese Methode ist nur erfolgreich, wenn man die Sprache auch wirklich gut beherrscht und diese selbst nicht als Fremdsprache ansieht.

Fazit:

Egal, welche Methode angewendet wird, es ist wichtig, dass sie konsequent durchgezogen wird, um das Kind nicht zu verwirren. Auch sollte man auf das Kind nicht zu viel Druck ausüben und ihn ständig korrigieren, wenn es in einer Sprache Fehler macht.

Eine zweisprachige Erziehung ist für Eltern mit mehr Zeit, mehr Aufwand und vielleicht auch mit mehr Kosten verbunden. Aber die Mühe lohnt sich. Mehrere Sprachen zu sprechen, ist eine unschätzbar wertvolle Fähigkeit in Zeiten der Globalisierung. Mehrsprachig erzogene Kinder lernen später auch andere Fremdsprachen leichter und haben ein besseres Gespür für kulturelle Unterschiede und Besonderheiten der globalen Welt.

Wissenschaftliche Studien haben zudem belegt, dass durch eine zweisprachige Erziehung im Gehirn Vernetzungen gebildet werden, die allgemein förderlich für die Intelligenz und das kognitive Leistungsvermögen des Kindes sind. Dadurch fällt es den Kindern leichter, einen anderen Blickwinkel auf Sachverhalte zu bekommen und kreativ auf ihren Alltag zu reagieren.
Die Mehrsprachigkeit ist ein Potenzial, das wir uns in der globalisierten Welt gut zu Nutze machen können. Aus diesem Grund sollten Eltern ihren Kindern Zweisprachigkeit als Geschenk und Investition für die Zukunft in die Wiege legen.

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