häusliche gewalt
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Knapp 2 Mio. Frauen sind laut kriminologischen Forschungsarbeiten mindestens einmal von ihrem Mann geschlagen worden.

Eine erschreckend  hohe Anzahl wenn man bedenkt, dass sicherlich nicht jede Frau bereit ist ihren Partner deswegen anzuzeigen. Grund dafür ist in vielen Fällen ein Schuldgefühl oder Angst, dass noch schlimmeres passieren könnte. Auch die Abhängigkeit macht es schwer, aus dieser Situation einen Ausweg zu finden.

Unter häuslicher Gewalt versteht man aber nicht nur Schläge, sondern auch die psychische Gewalt wie Beschimpfungen, Druck, Erniedrigungen und Bedrohungen.

Was hält eine Frau davon ab ihren Mann zu verlassen, wenn es zu Gewalt kommt?

  • Nicht erkannte Gewalt im Fall von Drohungen (psychische Gewalt)
  • Sich selbst die Schuld daran geben
  • Wunsch, die perfekte Familie vorzuspielen
  • Auf einen besseren Trennungsgrund warten
  • Der Glauben an die große Liebe
  • Angst vor der Reaktion
  • Suiziddrohungen
  • Finanzielle Abhängigkeit
  • Emotionale Abhängigkeit
  • Angst vor dem Alleinsein
  • Falsche Hoffnung, dass es irgendwann einmal besser wird
  • Kinder

Vor allem Außenstehende können nur schwer verstehen, warum sich Frauen nicht von ihren Männern bei häuslicher Gewalt trennen. Gewaltopfer ziehen sich in sehr vielen Fällen zurück und vernachlässigen Familie und Freundschaften.

Was kann ich machen wenn mich mein Mann schlägt?

Diese Frage sollte man sich bereits bei der psychischen Gewalt stellen oder allerspätestens nach der ersten Ohrfeige. Viele Frauen haben Angst, sie hätten die Schläge verdient und möchten deshalb auch nicht die Polizei einschalten. Allerdings kann ein Anruf bei der Polizei oder bei einer Beratungsstelle nichts schaden. Ist erkennbar, dass durch den Täter Gefahr besteht, also auch über einen langfristigen Zeitraum, dann kann der Mann aus seiner eigenen Wohnung verwiesen werden. Es kommt also zu einem Wohnungsverbot der Polizei. Selbstverständlich besteht die Gefahr, dass der Täter versucht wieder zu kommen. Dieses Problem kann aber durch einen weiteren Anruf bei der Polizei verhindert werden, da er ansonsten gleich wieder mitgenommen wird.

Als Alternative gibt es aber auch die Möglichkeit in Frauenhäuser oder in Sicherheitswohnungen untergebracht zu werden. Eine Unterkunft bei Familienangehörigen oder bei Freunden ist nicht empfehlenswert, um sie nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Auch sind das die ersten Orte, wo der Mann nach seiner Frau suchen wird. Bei unmittelbarer Gefahr ist es besser sofort zu gehen, auch wenn Kinder da sind. Hat man in der Eile keine Gelegenheit mehr sich um Geld oder Papiere zu kümmern, dann besteht die Möglichkeit vergessene Sachen auch noch nachträglich in Begleitung von Opferschutzorganisationen oder von der Polizei begleitet zu holen.

Verzeihen oder endgültige Trennung?

Die Antwort auf diese Frage ist vom eigenen Fall abhängig. Die meisten Frauen allerdings die von ihrem Mann misshandelt wurden (also nicht nur mit einem Schlag) konnten sich jahrelang die gleichen Versprechen anhören, dass es nie wieder zu Schlägen kommen wird und die Schuld am Alkohol, bei der Frau, bei den Kindern, oder am Stress liegt. Es ist also auf jeden Fall erst einmal besser sich genau zu überlegen, ob der Mann eigentlich wirklich daran interessiert ist sich zu ändern und seine eigene Schuld eingesteht. Ist das so, dann sollte er auch bereit sein professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Alkoholentzug und Therapien sind der geeignete Weg dazu, allerdings setzt das viel Zeit voraus, Vertrauen und vor allem auch eine große Liebe. Eine räumliche Trennung ist deshalb erst einmal besser und vor allem auch viel sicherer, denn ein zerstörtes Vertrauen sollte erst einmal wieder neu aufgebaut werden.

Die Entscheidung bei Misshandlung den Mann zu verlassen, kann nur die Frau treffen. Wird man allerdings Zeuge davon, sei es in der Nachbarschaft oder auch innerhalb der eigenen Familie, dann ist es besser nicht wegzusehen, sondern entweder die Polizei bei einem bedrohlichen Streit anzurufen, oder das Opfer direkt darauf anzusprechen. Auch im Freundeskreis können ständig blaue Flecken ein mögliches Anzeichen für häusliche Gewalt sein. Man kann seine Hilfe im Vertrauen anbieten und sich auch über Schutzmöglichkeiten und öffentliche Hilfsangebote informieren, um der betroffenen Person hilfreich zur Seite zu stehen.

Die Adresse von Frauenhäusern wird übrigens streng geheim gehalten. Wer dort Zuflucht suchen möchte, kann sich entweder an die zahlreichen Hilfsorganisationen wenden, an die Polizei, oder sogar an die örtliche Stadtverwaltung. Für misshandelte Frauen ist das Unterkommen oder Wohnen mit den Kindern zuerst einmal das Wichtigste. Erst danach geht es um weitere Probleme, wie es in der Zukunft weitergehen soll und von was man leben kann.

Obwohl es nicht einfach ist aus einer gewalttätigen Beziehung auszubrechen, lohnt es sich auf jeden Fall für Frau und Kind. Zweifel an der getroffenen Entscheidung bekommt man sowieso, aber dabei sollte man sich unbedingt ein Leben frei von Angst, Erniedrigungen und von Gewalt vor Augen halten!

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