uebergewicht
@ luislouro, depositphotos.com

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft veröffentlichte im Mai 2017 einen Bericht, der zum Nachdenken anregt. Die Aussagen wie etwa: „Deutschland war noch nie so dick wie heute“ und die Prognose, dass 2030 die Hälfte aller Deutschen adipös seien, ist erschreckend.

Immer mehr Kinder leiden darunter und es ist Aufgabe der Eltern, Schulen und Kindergärten, sie für gesunde Ernährung zu sensibilisieren.

Während es weltweit viele Menschen mit Hungerödemen gibt, haben auf der anderen Seite die Fälle von Übergewicht drastisch zugenommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. veröffentlichte im März 2017 eine Statistik, die den Anstieg verdeutlicht. Innerhalb von 40 Jahren hat der Mensch durchschnittlich 1,5 kg pro Jahrzehnt zugenommen. Im Jahr 2014 lebten weltweit etwa 641 Millionen Menschen mit Übergewicht. Im Verhältnis zu den 70er Jahren stieg die Zahl um mehr als das Sechsfache an. Prozentual ausgedrückt entfallen 10,8 % auf Männer und 14,9 % auf Frauen über 18, die übergewichtig sind. In Deutschland haben 67 % der Männer und 53 % der Frauen Übergewicht. Davon ist etwa die Hälfte adipös, also stark übergewichtig.

Der Unterschied zwischen Adipositas und „normalem“ Übergewicht zeigt sich im Body Maß Index. Der Wert wird aus dem Körpergewicht im Verhältnis zur Größe berechnet. Auch das Alter spielt bei der Berechnung eine Rolle. Werte, die über 33 liegen, zeugen von krankhafter Fettleibigkeit. Ab dem Wert 28,1 ist von Übergewicht die Rede.

Wie entsteht Übergewicht?

Die Ursachen sind vielfältig und fangen mitunter bereits in der Kindheit an. Kinder und junge Erwachsene lernen von ihren Eltern, dass sie sich bequem von Fastfood ernähren können. Dazu kommt Bewegungsmangel durch Fernsehen und Computerspiele. Klar ist aber auch, dass nicht jeder Mensch bei fett- und zuckerhaltiger Ernährung und Bewegungsmangel übergewichtig wird. Auch die Veranlagung spielt eine Rolle. Der Stoffwechsel arbeitet unterschiedlich. Es gibt es tatsächlich solche Menschen, die wesentlich mehr essen als sie selbst und trotzdem nicht zunehmen.

Nicht alleine Bewegungsmangel kann zu Übergewicht führen. Auch die Größe des Muskelanteils im Körper muss beachtet werden. Muskeln verbrennen auch in Ruhestellung Energie. Wer also mehr Muskulatur hat, wird trotz normalem Essen nicht so schnell zunehmen. Tabletten können ebenfalls ein Grund für zu viel Gewicht sein. Zum Beispiel haben Psychopharmaka die Nebenwirkung, Heißhungerattacken auf Süßes auslösen.

Gesundheitliche Einschränkungen durch Übergewicht

Es hat nicht immer etwas mit dem Ideal des schlanken Körpers zu tun, wenn Menschen abnehmen müssen bzw. wollen. Auch die Gesundheit leidet unter einem Zuviel an Gewicht. Das Skelettsystem ist besonders betroffen. Wer sich vorstellt, dass er dauerhaft einen Rucksack tragen muss, der etwa 10 kg wiegt, kann sich ausmalen, was Übergewicht mit den Gelenken macht. Es stellen sich Rückenschmerzen ein und auch die Knie werden nicht verschont. Jedes Kilogramm zu viel auf der Waage schränkt die Mobilität ein. Massives Übergewicht führt zudem dazu, dass Menschen gar keinen Sport mehr treiben. Sie sind kurzatmig und schämen sich meist, in ein Schwimmbad zu gehen oder einem Sportverein beizutreten. Sie fühlen sich dadurch mit der Zeit womöglich minderwertig und das kann wiederum zu Frustessen führen. Ein Teufelskreis beginnt, der nicht selten in einer handfesten Depression gipfelt.

Diabetes, auch Zuckerkrankheit genannt, betrifft immer mehr Kinder und Jugendliche. Die Rede ist hier vom Typ 2, dessen Ursache in vielen Fällen Übergewicht ist. Auch Erwachsene haben bei Adipositas mit Stoffwechselerkrankungen zu kämpfen. Der Cholesterinspiegel steigt. Die Folgen davon sind Gefäßverkalkung und Fettleber. Die Herzkranzgefäße verengen sich und können den größten Muskel des Körpers nicht mehr ausreichend versorgen.

Schönheitsoperationen gegen Übergewicht?

Immer mehr Menschen begeben sich in die Hand von erfahrenen plastischen und ästhetischen Chirurgen. Sie lassen Fett absaugen oder eine Verkleinerung des Magens durchführen. – Das ist sinnvoll, wenn Übergewicht krankhafte Ursachen hat und selbst durch strikte Diäten nicht reduziert werden kann. In solchen Fällen übernimmt in manchen Fällen die Krankenkasse die Kosten für den Eingriff, wobei es auf die Diagnose des behandelnden Arztes ankommt. Er wird unter anderem feststellen, wie hoch der Leidensdruck seiner Patienten ist.

Wer zunimmt, bei dem bilden sich oft Dehnungsstreifen aufgrund fehlender Hautelastizität. Wer später wieder viel abnimmt, merkt schnell, dass die Haut schlaff wird.
Da helfen auch tägliches Cremen und Muskelaufbau nicht. Besonders störend sind für Betroffene die Hautlappen. Während die Haut vor der Diät straff und gut gepolstert war, hat sie keine Polsterung mehr und hängt herab. In dem Fall macht es Sinn, sich bei einem plastischen Chirurgen vorzustellen. Nur er weiß, ob ein Eingriff notwendig ist und mit welchen Folgen Patienten rechnen müssen. Nähmen Patienten danach wieder zu, würde das Gewicht auf die frischen Narben drücken. Das wäre fatal – daher sollte beim Erreichen des Traumgewichts nicht sofort zum Skalpell gegriffen werden.

Autorin des Gastartikels ist Dr. med. Svenja Giessler

Dr. Svenja Giessler ist Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Inhaberin der Praxis Dr. Svenja Giessler – Plastische & Ästhetische Chirurgie (https://www.plastische-chirurgie-giessler.de) in München. Ihr Behandlungsspektrum umfasst alle Plastischen und Ästhetischen Eingriffe der Schönheitschirurgie mit dem Schwerpunkt der Brustchirurgie.

Kommentar verfassen